Mehr als nur idyllische Lieder
Ich habe jetzt schon länger keinen Musik-Dienst am Sonntag mehr gehabt. Aber ich kann mich erinnern, wie ich durch das Üben und Proben die Melodien und Texte wie Ohrwürmer in mir gehabt habe. Also Lobpreislieder nicht nur am Sonntag, sondern auch noch am Montag, eventuell auch noch am Dienstag. Dann waren sie wieder weg.
Zurzeit bin ich mit meinem Baby oft zu Hause, da kann es schon sein, dass ich mich mal mit einem Liederbuch, eventuell mit der Gitarre in der Hand, hinsetze und Lieder für Gott singe. Manchmal sitze ich einfach so mit Jesus und dem Baby am Tisch, auch ohne Lieder zu singen – wir frühstücken dann gemeinsam, wir drei, und plaudern über alles Mögliche. Wenn mich da wer beobachtet!?
Im Idealfall stelle ich mir Anbetung genauso vor: singend, betend, knieend – irgendwie idyllisch, innig und sorglos. Aber ich glaube, das ist noch nicht alles, was es an Anbetung gibt.
Anbetung ist mehr als Musik vor dir,
sie ist ein Herz, das sich beugt und ein Leben, das folgt.
Kennt ihr das, man nimmt sich vor, dieses und jenes als Anbetung zu tun, stille Zeiten, mehr Gebet, ein heiligeres Leben führen, Demut, den anderen vor sich selbst stellen und vieles mehr. Doch nach kurzer Zeit kommt das klägliche Scheitern, gepaart mit dem Gefühl von Versagen.
Wieder zu laut herumgeschrien, wieder zu egoistisch meine Bedürfnisse eingefordert, wieder gedacht, ich selbst weiß es am besten – und das Traurigste: wieder auf Dich, Herr, vergessen.
Ich vergesse oft, mit Gott zu reden, ich behalte meine Sorgen für mich und ich versuche sie auf meinen eigenen Schultern zu tragen.
Dann kommt das schlechte Gewissen:
- Wie kann ich nur so untreu sein?
- Wie kanns sein, dass ich auf Dich vergesse, wo Du doch so viel für mich getan hast?
- Obwohl ich erwarte, dass Du meine Bitten erfüllst oder zumindest darauf reagierst?
- Wie kann es sein, dass sich dabei alles nur um MICH dreht?
Ich bin dann so weit weg von Dir – obwohl Du mir so nah bist, Herr.
Aber dort möchte ich nicht stehen bleiben.
Mir hilft es, wenn ich mir Zeit zum Innehalten nehme. Dann kann ich ein bisschen umdenken und mir in Gedanken und im Gefühl bewusstwerden:
Wir sind Gottes geliebte Geschöpfe, allerdings begrenzt in Raum und Zeit. Gott weiß das über mich – und auch das kann ich ihm geben. Dieses schlechte Gewissen, dieses Versagen. Ich kann Gott Raum geben für Sein heiliges Wirken in meinem unvollkommenen Leben.
Ich habe gelernt, im Alltag Dankbarkeit als eine Form von Anbetung zu leben. Wenn ich mich entfernt fühle, dann setze ich mich ganz aktiv hin, um Dinge aufzuzählen oder aufzuschreiben, für die ich dankbar bin. Das ist – finde ich – gar nicht so schwer, wenn gerade alles am Schnürchen zu laufen scheint.
Was ist aber,
- wenn sich das Leben nicht gerade von seiner Schokoladenseite zeigt?
- wenn dir ein Schicksalsschlag den Boden unter den Füßen wegzieht?
- wenn dein Leben von Leid geplagt ist, wenn ein Verhängnis nach dem anderen daherkommt?
Wie schauts dann mit Dankbarkeit aus? Wenn das „Trockentraining“ der Dankbarkeit plötzlich ernst wird und auf die Probe gestellt wird?
Ich kann aus eigener Erfahrung sprechen: auch dann geht’s. Möglicherweise etwas maschinell und – ja – programmiert. Es klingt paradox, wenn ich sage: „Danke, Herr Jesus, dass mein Baby vier Monate zu früh zur Welt gekommen ist.“ oder „Danke, dass ein geliebter Mensch einen Schlaganfall hatte.“
Wie kann ich also danken? Vielleicht so:
Danke, guter Gott, dass ich weiß, dass Du mich in den schwierigen nächsten Zeiten nicht allein lassen wirst, dass Du das große Ganze siehst und mich auffängst, wenn der Boden weg ist.
Ich habe nichts mehr in meiner Hand.
Danke, dass Du mein in-1000-Scherben-zersprungenes Ich aufsammelst und ein neues Gefäß daraus aufbaust – ganz nach deiner Idee, nach deinen Vorstellungen.
Genau hier kann Dankbarkeit in Anbetung übergehen: nämlich Gott die Vollmacht zu geben, über mein Leben zu verfügen.
Gott, DU schenkst und DU nimmst. DIR traue ich das alles zu.
Alles, was mir zustößt, ist von DIR begleitet, getragen und geschützt.
Du verdienst es, dass wir uns ganz tief vor DIR verbeugen und DICH bestaunen.
Wir dürfen uns dem hingeben, der die einzige wahre Größe ist. Jesus hat sich selbst hingegeben bis zum Tod. Er hat sich tiefer gebeugt als wir alle uns jemals beugen könnten. Er verdient alle Anbetung und allen Lobpreis.
Karin